Vorstand TV Marsberg

 

   (v.l.n.r.)  Robert Siebers,   Robert Heuschneider (Kassierer),  Angela Backhaus,   Klaus Hansmann

 

 

Die Vorsitzenden des TV 1893 Marsberg:

1893 – 1895 :                  Müller

1897                               W. Hoffmann

1911:                              Bolzenkötter

1914:                              Johann Wahle

1919 – 1921:                   Heinrich Wegener

1921 – 1925:                   Josef Kordes

1925 – 1927:                   Josef Schmitz

1927 – 1928:                   Behler

1928 – 1934:                   Fritz Krüger

1934 – 1938:                   Heinrich Wegener

1938 – 1945:                   nicht bekannt (Zusammenschluss VfB und TV zu Sportgemeinschaft Niedermarsberg auf Anordnung Gauführers des NS-Reichsbundes)

1945 – 1946:                   Franz Bieker

1946 – 1950:                   Matthias Bauer

1950 – 1957:                   Wilhelm Schmitz

1957 – 1959:                   Hans-Georg Klocke

1959 – 1966:                   Franz Kleffner

1966 – 1967:                   Hans-Georg Klocke

1967 – 1968:                   Franz Wegener

1968 – 1990:                   Hartmut Vietor

1990 – 1992:                   Matthias Helbing

1992 – 1998:                   Klaus Mülder

1998 – 2010:                   Matthias Helbing

Seit 2010 Präsidium:          Klaus Hansmann, Angela Backhaus, Ralf Diebenbusch

2012 – 2014                    Klaus Hansmann, Angela Backhaus

2014 -                             Klaus Hansmann, Angela Backhaus, Robert Siebers

 

 

Die Stunde null - Der TV wird gegründet

Als der Schlusssegen des Pfarrers die Messe beendet, öffnen sich die Türen der Kirche. Der Weg der in dunklen Anzügen geklei­deten Männer führt wie üblich an Sonntagen zum Frühschop­pen in die beschauliche Mars­berger Kneipe. Schnell setzen die Gespräche über Ereignisse der vergangenen Woche in der Diemelstadt ein.

„Hast Du schon gehört?“, kommt so manche Neuigkeit auf den Tisch.

An diesem Sonntag im August 1893 konzentrieren sich die Her­ren Müller, Fischer und Jesper auf ein Thema: die Turnbewe­gung in Deutschland. Alles hat­te 1811 mit der Errichtung des ersten öffentlichen Turnplatzes auf der Hasenheide in Berlin be­gonnen. Es fällt der Name des Mannes der ersten Stunde: Friedrich Ludwig Jahn eben. „Er hat dafür gesorgt, dass alle Ge­sellschaftsschichten im Turnen vereint sind“, weist einer darauf hin, dass es in vielen deutschen Orten zu Nachahmungen kam. „Warum nicht auch in Mars­berg?“, kommt es der Runde in den Sinn, zumal seit 1868 die Deutsche Turnerschaft bestand. Gesagt, getan, wird der Turnver­ein Niedermarsberg gegründet. Wer weiß, vielleicht sind die An­fänge des TV im August über 100 Jahren so abgelaufen. Fakt ist je­denfalls, dass dem ersten „Turn­rat“ (Vorstand) als 1. Sprechwart (1. Vorsitzender) Herr Müller und als 1. Schriftwart Herr Fischer angehörten. Zu den Gründungs­mitgliedern zählte auch August Jesper.

Einige Wochen später, im Okto­ber 1893, traten Satzung und Turnordnung in Kraft. Der Zweck des Vereins war darin nie­dergeschrieben:

„Der Nieder­marsberger Turn-Verein stellt sich die Aufgabe, seine Mitglie­der zu körperlich rüstigen, gei­stig frischen und sittlich starken Männern heranzubilden. Die Mittel zur Erreichung dieses Zwecks:. sind regelmäßige turne­rische Übungen, gesellige Zu­sammenkünfte, Turnfahrten und Turnfeste.“

 

Turnordnung !

 

Die ersten Jahre

Einige Jahre ziehen ins Land, bis das große Problem des Ver­eins offen zutage tritt: die Suche nach einem geeigneten Raum zum Turnen. In der Versamm­lung Anfang 1897 muss die Stimmung unter den Mitglie­dern trübe gewesen sein. „Wir können nicht mehr in der Scheune der Gastwirtschaft Wrede turnen“, wird den Anwe­senden erklärt, „sie wird jetzt für ihren eigentlichen Zweck benö­tigt. Trotz der wenig erbauli­chen Temperaturen außerhalb des Versammlungsraums be­gann sicherlich eine hitzige De­batte. „Ohne Halle können wir unseren Verein auflösen“, könn­te die bestimmende Befürch­tung gewesen sein. Denn übrig bliebe nur das Turnen unter frei­em Himmel, was gerade in den kühlen Wintermonaten fast un­möglich ist.

Bis zum Jahre 1911 fand das Turnen dann in der Gastwirtschaft Frigger bzw. auf dem Turnplatz oder wie beim Bezirks Turnfest im Jahre 1897 auf dem Schützenhof statt. Dann, nur ein Jahr nach der Auftragserteilung durch die Stadt Niedermarsberg war die neue Turnhalle im November 1911 bezugsfertig. Eine Turnhalle war für eine Stadt in der Größenordnung Nie­dermarsbergs zu Beginn unse­res Jahrhunderts eine Selten­heit. Bei der allgemein geringen kommunalen Finanzausstat­tung war ihre Errichtung eine bedeutende Leistung. Möglich war die Finanzierung nur, weil unsere Stadt mit ihrer Sparkasse über eine „gute mel­ke Kuh im Stall“ verfügte. Als stadteigene Einrichtung flossen die Zinsüberschüsse in den Stadtsäckel. Aus diesen erhebli­chen Einnahmen sind die Ge­samtkosten für Marsbergs erste Turnhalle in Höhe von 17115,81 Mark bezahlt worden.

18 Jahre mussten die Turner des 1893 gegründeten Vereins auf ei­ne sportgerechte Übungsstätte warten. Nun waren sie in der da­mals selten glücklichen Lage, in einer vorschriftsmäßig ausge­statteten Turnhalle turnen zu können. Das musste der Marsber­ger Turnbewegung einen erheb­lichen Aufschwung bringen. Noch vor der Fertigstellung stell­te der Vorsitzende einen Antrag auf Zulassung zur städtischen Turnhalle. Als Entschädigung bot er die vereinseigenen Sport­geräte an. Aus dieser Aufstellung erfahren wir, dass die Turner aus ihren geringen Mitteln einen an­sehnlichen Gerätebestand ange­schafft hatten, nämlich: 1 eiser­nes transportables Reck, 1 höl­zernen Barren, 4 Pferde, 1 eiser­nes Hochsprunggestell, 2 Kokos­matten, 1 Hantel (verstellbar bis 50 Kilogramm), 1 Hantel (ver­stellbar bis 25 Kilogramm), 2 Gewichte a 25 Kilogramm, 3 hölzerne Sprungbretter, 30 Ei­senstäbe.

Aus dem vorhandenen hölzernen Stabhochsprungstab ist zu schließen, dass auch leichtathle­tische Disziplinen zum Pro­gramm des Vereins gehörten.

Die Stadtverwaltung war mit der Übertragung der Geräte als Aus­gleich für die Nutzung nicht zu­frieden. Am 30. Dezember 1911 teilte Amtmann Petrasch dem Vorstand zu Händen von August Jesper mit, dass eine Jahresent­schädigung von 100 Mark zu lei­sten sei.

Schon 1912 musste Vorsitzender Jesper der Stadt gegenüber er­klären, dass diese hohe Nut­zungsgebühr die Existenz des hauptsächlich aus Jugendlichen bestehenden Vereins gefährde. Die Stadtverwaltung möge doch bei entsprechender Beschlussfas­sung beachten, ,dass der Turn­verein für den Körper der Ju­gendlichen ist, was die Fortbil­dungsschule für den Geist des­selben, eine Fortbildungsschule für den Körper«. Das muss Eindruck auf die Herren von der Stadtverwaltung gemacht ha­ben. Sie ermäßigten die zu zah­lende Gebühr auf 40 Mark.

Von einer öffentlichen Förderung des Sports war man damals noch weit entfernt. Und doch konnten sich Marsbergs Stadt­väter rühmen, besonders sport­freundlich zu sein. Welche Stadt konnte ihren Turnern eine sol­che Halle bieten?

 

Der 1. Weltkrieg

Sämtliche Aktivitäten des Turnvereins wurden im 1. Weltkrieg (von 1914 bis 1919) unterbrochen. Nach dem Ausbruch im August 1914 stammt das letzte Versammlungsprotokol vom 25. August 1914. Darin wurden die Rekruten verabschiedet – nicht ohne Abschiedsgeschenk: eine Pfeife und ein Paket Tabak. Den Mitgliedern, die sich bereits im Krieg befanden, sollte eine „Gabe von 3 Mark“ geschickt werden. Die Bilanz der schrecklichen Krieges: 14 Mitglieder fielen im Felde und 2 gerieten in Gefangenschaft.

Am 28. Januar 1919 trafen sich die überlebenden TV-ler zu einer Versammlung um darüber zu Beraten, ob der Turnbetrieb wieder aufgenommen werden sollen. Dies wurde von den anwesenden bejaht und man beschloss zudem weitere Aktivitäten (Fastnachtsfeier, Theatervorführung) durchzuführen.

In den folgenden Jahren wurde neben dem Turnen auch Fußball beim TV gespielt. Allerdings gründeten einige Fußballer dann am 04. Juni 1921 den VfB Marsberg.

 

Auszug Protokoll der Monatsversammlung

 

Turnen im Dritten Reich

Das dunkelste Kapitel in der Deutschen Geschichte, das Drit­te Reich, ist auch die schwärze­ste Zeit des TV Marsberg. Aus Zeitungsberichten oder Ver­sammlungs-Protokollen ist kein direkter Widerstand des Vereins gegen das Nazi-Regime erkenn­bar. Noch im Januar 1932 hatte es der TV-Vorstand rigoros abge­lehnt, eine Riege beim Stahl­helmwerbetag zu stellen. Der Stahlhelm war eine nationa­listisch-halbmilitaristische Orga­nisation, die in der Harzburger Front gemeinsam mit National­sozialisten und Deutschnationa­len gegen das Kabinett Brüning agierte. Der Stahlhelm wurde 1935 in die SA übergeführt.

Der neuen Richtlinie der Deut­schen Turnerschaft, das Wehr­turnen einzuführen, schloss sich der TV-Vorstand im Mai 1933 an. Im Juni 1933 wurde ein Zusam­menarbeiten der Wehrsportver­bände angeregt. Deswegen soll­ten Gespräche ,mit den maßge­benden Personen von SA und Stahlhelm« anlaufen. Erstmals endet ein Versammlungsproto­koll mit dem Turnergruß „Gut Heil Hitler“.

Die Vereinstrommeln wurden im Juni 1933 an die SA ausgelie­hen. In einer außerordentlichen Generalversammlung am 16. August nahm der Ortsgruppen­leiter der NSDAP die Gleich­schaltung beim TV vor. Als Füh­rer des Vereins wurde der bishe­rige erste Vorsitzende eingesetzt, der für die Neubildung des Vor­stands beauftragt wurde. Nach­dem die neuen Funktionsträger feststanden, habe es, so berich­tet das Protokoll, eine Ausspra­che „wegen Meinungsverschie­denheiten» gegeben, »welche aber zur Zufriedenheit aller Beteilig­ten beigelegt wurden«. Im No­vember 1933 nahm der Verein geschlossen an einem Wahlpro­pagandamarsch teil. Nach dem 1. Dezember 1934 durfte kein Jugendlicher mehr TV-Mitglied werden, der nicht der Hitler-­Jugend angehört. Am 27. März 1935 wurde der TV als Mitglied in den Deutschen Reichsbund für Leibesübungen aufgenom­men. Im gleichen Monat wurde in der »Marsberger Illustrierte Woche« die Begrüßungsrede des Vorsitzenden bei einer Veranstal­tung zugunsten der Winterhilfe zitiert: »Er wies auf die Wichtig­keit der turnerischen Übungen zur Stärkung des Körpers hin und betonte, dass besonders dem hochwertigen Geräteturnen in der heutigen Zeit bei der Erzie­hung zum deutschen, kämpferi­schen Menschen eine hohe Be­deutung beizumessen ist. Er be­merkte, da 13 die deutsche Tur­nerschaft viel Gutes im Dienste des Vaterlandes geleistet habe. Als es 1813 galt, Deutschland frei zu machen, standen die deutschen Turner an der Spitze. In der Vorkriegszeit haben die Turnvereine gute Arbeit getan in der Heranbildung durch Turnen der Jugend zum wehrfähigen Mann“.

Es folgenden nun schwierige Zeiten beim TV Marsberg, bis es 1939 zu einer gravierenden Veränderung kam. Der Diemelbote vom 28. Januar 1939 berichtete über den Zusammenschluss des TV 1893 Marsberg und des VfB 1921 Marsberg zum neuen Sportverein „Marsberg 1893“. Diese geschah auf Anordnung des Gauführers des NS-Reichsbundes für Leibesübungen. Allerdings wurde der Name nochmal geändert in „Sportgemeinschaft Niedermarsberg“. Der Turnbetrieb, der in den Jahren von 1932 bis 1939 nur unter schwierigen Bedingungen durchgeführt werden konnte, wurde mit Kriegsausbruch 1939 eingestellt.

Zeitungsausschnitt !

 

Neuanfang nach 1945

Sechs Monate nach der Ka­pitulation der deutschen Wehr­macht kam es am 11. November 1945 zur Neugründung des Turnvereins Marsberg. Im Proto­koll sind Ziele festgeschrieben:„Der Verein will durch Gerätetur­nen, Leichtathletik und Spiele mithelfen an der Gesunderhal­tung und sportlichen Ertüchti­gung unserer Jugend. Durch be­sondere Veranstaltungen soll die Geselligkeit gepflegt werden. Als Vorstandsmitglieder wurden nur solche Personen zugelassen, die zu keiner Zeit Mitglieder der NSDAP oder einer ihrer Gliede­rungen oder Offiziere der ehema­ligen Wehrmacht gewesen sind“.

Der Turnbetrieb für Erwachsene und Jugendliche wurde wieder aufgenommen und in den 50-ger Jahre wurde die ersten Erfolge erzielt. Doch leider gefiel die Turnbekleidung einigen Marsberger Moralapostel nicht, weil man auf dem Foto die nackten Beine der Mädchen (sie trugen die offizielle Turnbekleidung ) sehen konnte. Doch auch diesen „Sturm“ überstand der TV und der Vorsitzende Hans-Georg Klocke sagte auf der Jahreshauptversammlung : „....In unseren Turnstunden geht es sauber und ordentlich zu, die Eltern mögen sich jeden Dienstag in der Turnhalle hiervon selbst überzeugen. .....“

Ein weiteres Thema was immer wieder diskutiert wurde, war ein Zusammschluss mit dem VfB Marsberg. Dieser wurde 1946 und 1970 ausführlich erörtert, doch es kam nicht zu dem neuen Großverein, da man keine Einigung bei den finanziellen Punkten erzielte.

 

In den folgenden Jahrzehnten wurden neben dem Turnen und Leichtathletik weitere Abteilungen gegründet und viele neue Sportarten angeboten. Hierzu zählen u.a. Basketball, Fitnesssport, Freizeitspiel, Gymnastik für Frauen und Männer, Handball, Judo, Jiu Jitsu, Mutter und Kind Turnen, Nordic Walking, Tanzen und Volleyball. Der Turnverein Marsberg verfügt somit über ein großes Angebot im Bereich Breitensport.

Seit den 50-ger Jahren werden beim TV auch andere (nicht so sportliche) Aktivitäten durchgeführt. Hierzu zählen u.a. Wandertage, Weihnachtsfeiern, Karnevalsveranstaltungen und Tanzlehrgänge.

Weitere Aktivitäten sind die Organisation von Sportveranstaltungen wie z.B. Streetballtuniere, Marsberger City-Lauf oder HSK-Tanzfestival.

 

 

Jubiläen beim TV

Nach dem Motto „Man soll die Feste feiern, wie sie fallen“ wur­den Jubiläen beim TV Marsberg schon immer zu unvergessenen Angelegenheiten.

Beim 75jähri­gen Bestehen 1968 trat der Deut­sche Vereinsmeister im Kunst­turnen auf, die Turnabteilung der Universität Köln. Zu der Meister-Riege gehörten auch ja­panische Athleten. Zur „Einwei­hung« der Marsberger Dreifach­turnhalle hatte der TV im Okto­ber 1974 die Kunstturn-Natio­nalmannschaft der USA enga­giert. Vor ausverkauftem Haus gaben die US-Boys und Girls in einer Schauvorführung reichlich Kostproben ihres Könnens. Als Gastgeschenk erhielten sie einen westfälischen Schinken mit Steinhäger und zünftige Biersei­del.

 

Auch das 100-jährige Jubiläum wurde auch ausgiebig gefeiert. Das Festprogramm begann mit einer Fotoausstelllung in Stadtsparkasse. Am Mittwoch den 08. Juni 1993 fand ein gemütlicher Abend in der Schützenhalle statt. Es folgten am Donnerstag die (Neu-)Enthüllung des Jahn-Steines, Leichtathletik Stadtmeisterschaften im Dreikampf und ein Demonstrationswettbewerb verschiedener technischer Disziplinen (Leichtathletik). Am Freitag wurde mit dem Kraftsport-Marathon (bis Sonntag den 13. Juni) begonnen. Nachmittags wurde der Seniorennachmittag durchgeführt und Abends begann die Oldie-Night im Festzelt. Der Festakt startet am Samstag den 12. Juni um 11.00 Uhr in der Aula des Gymnasiums. Nachmittags wurde in der Sporthalle ein Damenhandballtunier durchgeführt und die Handballherren spielten gegen den TBV Lemgo. Dieses wurde, wie zu erwarten, deutlich mit 13:43 verloren. Das Jubiläum fand seinen Ausklang am Sonntag den 13. Juni mit einem Frühschoppenkonzert mit anschließendem Spiel- und Sportfest. Es war, da waren sich alle Beteiligten einig, ein gelungenes Fest.

 

Emblem TV 100 Jahre !

 

Im Jahre 2018 feiert dann der TV 1893 Marsberg sein 125-jährige Bestehen.

   
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